Nationalsozialistisches Urlaubsdomizil „Seebad Prora“ auf Rügen
Beim Urlaub auf Rügen erwartet den Besucher im Norden der Insel, in Richtung Kreidefelsen, zwischen den Orten Sassnitz und Binz, das Seebad Prora. Hierbei handelt es sich um ein zwischen 1935 und 1939 geplantes und nicht fertig gestelltes Projekt, das von den Nationalsozialisten als erster Ferienanlagenkomplex Deutschlands errichtet wurde.
Bereits in Mitte der 30-er Jahre waren aufgrund der Urlaubsreisen der Organisation Kraft durch Freude die Unterkünfte für Urlauber knapp geworden. Nicht zuletzt mit dem Ziel die Aufenthaltskosten zu minimieren, entschloss man sich eigene Ferienhäuser und Hotels zu errichten. Auf dieser Grundlage entstand die Idee für das touristische Großprojekt der Errichtung des Seebades Prora auf Rügen.
Nach dessen Fertigstellung sollte das Gelände Platz für rund 20.000 Anhänger der Organisation „Kraft durch Freude“ bieten, die hier gemeinsam ihren Urlaub verbringen sollten. Bei einer geplanten Urlaubsdauer von 10 Tagen sollte jährlich eine Kapazität von mindesten 1,5 bius 3#2 Millionen Urlaubern im Seebad Prora erzielt werden.
Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges wurden die Bauarbeiten für das Urlaubsdomizil jedoch eingestellt. Als Seebad wurde der Komplex Prora folglich nie in Betrieb genommen, zurück blieb jedoch der Kern des Komplexes, der sogenannte Koloss von Prora, dessen Besichtigung sich heute bei einem Urlaub auf Rügen mehr als lohnt. Der Komplex besteht aus acht Häuserblocks, die sich ca. 5 km direkt an der Küste entlang reihen und aus denen ursprünglich acht Gästehäuser entstehen sollten. Alle Häuser sollten über einen Meerblick verfügen und in einer einheitlichen Größe von 2,5 mal 5 Metern errichtet werden. Die Architektur sollte funktional und die Einrichtung zweckmäßig gestaltet sein. Der Urlaub in der geplanten Ferienanlage sollte, dem totalitären Sytem entsprechend, in der Gemeinschaft stattfinden, weshalb neben Gemeinschaftshäusern, ein Kino sowie Restaurants geplant waren. Um dem geplanten Ansturm an Urlaubern gerecht zu werden, war eine entsprechende Anpassung der Infrastruktur auf Rügen geplant und wurde zum Teil bereits realisiert.
Heute erwarten den Rügen-Urlauber beim Prora verschiedene Museen auf rund 5.000 qm Ausstzellungsfläche und eine originalgetreue Rekonstruktion der Räumlichkeiten.
Nachdem die Nutzung des Prora Komplexes über Jahre ungeklärt blieb und das geplante Seebad zunehmend zu verfallen begann, soll aus der geplanten gigantischen Ferienanlage nun eine Jugendherberge mit rund 100 Zimmern und 400 Betten entstehen. Mit einer Investitionssumme von mehr als 16 Mio. Euro soll ein Teil des denkmalgeschützten Baus umgebaut werden und einer nachhaltigen Nutzung durch Urlauber dienen. Die Eröffnung der Jugenherberge als Urlaubsdomizil ist für das kommende Jahr 2011 geplant.